Die DDR und die Stasi – Mein Stück deutsche Geschichte
Eine Seite gegen das Vergessen, Verniedlichen und die Ignoranz

Über diese Seite

Frank Bütow, AutorObwohl es nun schon viele Jahre her ist und längst Gras über die Sache gewachsen sein sollte, finde ich doch noch immer keine Ruhe. Es war ein Trauma, das ich durchlebte, dem mächtigsten und skrupellosesten Apparat, den es in der DDR gab, ausgeliefert zu sein, dem Staatssicherdienst MfS. Die Erinnerungen drängen sich mir immer noch auf, besonders in der Zeit von August bis Dezember. Es ist als durchlebte ich diese Zeit immer wieder neu, in der Hoffnung, endlich Frieden damit zu finden. Und dabei habe ich doch schon so viel versucht: Verdrängen, Vergessen, Verschweigen, Verarbeiten, Verinnerlichen – und nun hier: Veröffentlichen.

Diese Website ist also ein erneuter und hoffentlich nicht vergeblicher Versuch, den stummen Schreien in mir eine Stimme zu geben. Mit der Zeit werde ich hier an diesem Ort all meine Erinnerungen zusammen tragen, werde versuchen, die Bilder und Töne in meinem Kopf in Worte zu fassen. Ich werde hier schreiben, wie es mich dazu drängt und wie ich es verkrafte. Es wird keine Chronologie geben, keine Vollständigkeit und auch keine Kontinuität. Ich werde gleichsam ein Bild aus Fragmenten zeichnen. Und mit der Zeit wird vielleicht ein Gesamtbild entstehen – meine persönliche Geschichte und auch ein Teil deutscher Geschichte, der Geschichte der DDR.

Es ist ein Blog, ein Tagebuch der besonderen Art, das zum einen dazu dienen soll, die Flut an unterdrückten Gefühlen in mir zu verbalisieren und zum anderen helfen soll, der Schwärmerei von den guten alten Zeiten etwas entgegen zu setzen. Mir ist klar, dass meine Sicht auf die DDR nur einen Teil vergangener Realität ausmacht, aber ich halte es für wichtig, der Gegenwart und auch der Nachwelt diesen Teil quasi als Gegengewicht zu Romantik, Verklärung und Verleugnung zugänglich zu machen.

Die SED mit all ihren Organen, die Verantwortung für Freiheitsberaubung und Menschenrechtsverletzungen in der DDR trug, ist unter anderem Namen auch heute noch aktiv. Nach dem Untergang der DDR ging die SED zu 100% in die Partei des demokratischen Sozialismus (PDS) über. In 2005 änderte sie ihren Namen abermals und nannte sich fortan Die Linkspartei.PDS, bis sie sich schließlich mit der vom ehemaligen SPD-Vorsitzenden und erfolglosen Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine gegründeten WASG (Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative) Partei „Die Linke“ zusammen schloss. Bei der Vorstellung, dass die ehemaligen Betonköpfe des ideologisch fehlgeleiteten kleinen Bruders der Sowjetunion auch heute noch für ihre Ziele eintreten dürfen, eine anerkannte Partei im deutschen Bundestag stellen und sich, besonders im Osten Deutschlands, wachsender Beliebtheit erfreuen, gruselt es mich.

Wer der dieser Partei seine Stimme gibt, muss klar sein, wohin das führen kann. Und auch deshalb führe ich diesen Blog. Natürlich können Menschen sich ändern, bessern. Natürlich wäre es möglich, dass diejenigen die damals die Menschenrechte mit Füßen traten heute für eine moderne Gesellschaft einstehen. Aber wieso in solch einem Sammelbecken wie der Partei „Die Linke“? Ich fürchte, ich schaffe diesen Spagat nicht. Ich würde auch keine Nachfolgepartei der NSDAP wählen, wenn dies möglich wäre. Der Schrecken sitzt einfach zu tief. So etwas darf sich nicht wiederholen!

Insbesondere widme ich diese Seiten meinen vier Kindern, denn drei meiner Mädchen sind Teil dieser Geschichte, sind noch in der DDR geboren. Leider war es mir bislang nicht möglich, ihnen meine Erinnerungen zugänglich zu machen. Ich konnte einfach nicht darüber reden und sie fragten auch nicht nach, wie Kinder es normalerweise tun. Sie hatten Angst, mir weh zu tun, wollten mich schonen und nicht erneut den schlimmen Erinnerungen aussetzen. Noch heute fällt mir das schwer, darüber zu reden, aber zu schreiben ist okay. Hier kann ich selbst den Zeitpunkt, die Dauer und die Tiefe bestimmen.

Alles, was ich erlebte wurde ein Teil von mir und so auch ein Teil von ihnen. Und so hoffe ich nicht zuletzt, dass sich durch diese Seiten hier für so manches schwer Verstehbare in unserer Familie die eine oder andere Erklärung finden lässt.

Frank Bütow, September 2012

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