Die DDR und die Stasi – Mein Stück deutsche Geschichte
Eine Seite gegen das Vergessen, Verniedlichen und die Ignoranz

Die Stasi-Opferente wird erhöht

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490150_web_R_K_B_by_Paul Golla_pixelio.deStell dir vor, man kommt nachts in dein Haus, stülpt dir eine Kapuze über und bringt dich weg. Sie schaffen dich in ein Lager. Du hast nichts Unrechtes getan, das weißt du, aber irgendwie bist du in ihr Visier geraten. In dem Lager hast du keine Rechte. Du bekommst Lagerkleidung und dreimal täglich Schweinefutter. Immer wieder verhören sie dich. Du darfst keinen Kontakt nach außen haben. Lediglich einen Brief erlaubt man dir, einmal in der Woche eine A4-Seite. Wenn du extra klein schreibst, damit viel auf die Seite passt, hält man deinen Brief zurück und man droht dir, die Schreiberlaubnis ganz zurück zu ziehen. Einmal im Monat darfst du für eine halbe Stunde besucht werden. Du hast Angst. Du weißt, dass hier nicht alle lebendig wieder rauskommen. Du versuchst stark zu sein und du versuchst dich anzupassen. Du vermisst deine Frau und deine Kinder. Nicht einmal ein Foto von ihnen haben sie dir gelassen. Das geht viereinhalb Monate so. Dann schiebt man dich ab. Du bist frei. Du hattest ja auch nichts getan. Was bleibt, ist diese grausige Erfahrung, die dich von nun an nie mehr vergessen lässt. Man entschuldigt sich nicht bei dir. Es gibt auch keine Wiedergutmachung. Ja, wenn du sechs Wochen länger in Haft gewesen wärst, dann hättest du eine Entschädigung verdient, aber so? Für das bisschen? Du bekommst nichts! Man muss nicht unbedingt in einem Unrechtsstaat leben, um dem Unrecht ausgesetzt zu sein.

Was ist angemessen?

In Wirklichkeit interessiert doch niemanden, wer welchem Leid ausgesetzt war und noch immer ist. Es waren einfach zu viele und so viel Geld wollte man dann doch nicht ausgeben. Diejenigen, die hier entscheiden, können nicht einmal im Ansatz ermessen, welchen Preis die Menschen in jener Zeit für ihre Freiheit und nichts zuletzt auch für die Freiheit ihres Landes gezahlt haben. Aber weniger als sechs Monate finden sie nicht der Rede wert. Das sind aber die gleichen Menschen, die sofort den Finger heben, wenn es um eine Diätenerhöhung geht, die zumeist am Anfang einer Legislaturperiode beschlossen wird. Und es sind diegleichen Menschen, die nichts Anstößiges daran finden, dass Politikern bereits nach kurzer Zeit im Amt ansehnliche Versorgungsansprüche zustehen (Der ehemaliger Bundespräsident Wulff erhält für 598 Amtstage ca. 200.000 Euro pro Jahr). Ein Bundestagsabgeordneter braucht nur zwei Legislaturperioden, also acht Jahre, im Parlament durchhalten, um sich eine Mindestpension von etwa 1.700 Euro monatlich zu sichern. Warum ist man hier nicht der Auffassung, das sei zu kurz gewesen, da bestünde kein begründeter Anspruch? Es gibt nicht wenige Rentner, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben und doch nicht auf solche Summen kommen. Nein glaubwürdig scheint mir dieses Zeugnis unsere Volksvertreter nicht. Steht doch im Grundgesetz, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich seien.
Hätte es nicht die Tausende von Ausreisewilligen gegeben, wäre es wohl nie zu einer friedlichen Revolution gekommen. Das was wir aus der Berichterstattung kennen, war nur das Ende der Fahnenstange. Der Weg dorthin ist mit sehr viel Leid, vielen Opfern und auch unschuldigen Leben gepflastert.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich freue mich für alle, die eine Opferrente bekommen, weil ein jeder sie bitter verdient hat. Aber ich bin auch ein Opfer und bekomme nichts. Und das demütigt mich erneut. Vielen Menschen ergeht es wie mir. Wenn sie auch so fühlen wie ich, dann dürften sie sich wieder einmal verhöhnt fühlen.

Die Opfer und die Täter

Besonders bitter scheint mir, dass im Gegensatz hohe Summen aus der Staatskasse Jahr für Jahr in die Pensionsansprüche meiner ehemaligen Peiniger fließen. Mir ist klar, dass auch diese Menschen leben müssen und das die Rechtslage so ist wie sie ist, zudem man ja alle ehemaligen Nazis, so sie keine Verbrecher waren auch nicht nach Sibirien verbannte, sondern ihnen einen Neuanfang nach dem Krieg gönnte. Ich wünschte, es gäbe einen Hilfsfonds für die Opfer ehemaliger Stasigreueltaten. Dorthin könnten sie dann einen Teil ihrer passablen Altersbezüge denen spenden, die einst dafür bezahlt haben und dies noch immer tun. Dann könnten sie etwas für ihr Gewissen tun, falls sie eines haben und deutlich machen, wie ernst sie meinen, worüber sie heute so ganz selbstverständlich und öffentlich reden. „Sie wussten es nicht besser.“ Sie hatten daran geglaubt“ Bla, bla, bla. Und weiter? Wo bleiben die Konsequenzen? Worte kosten nicht viel. Was aber zählt, sind die Taten. Reiche ich die Hand oder halte ich sie auf? Ich traue dieser Schweinebande noch immer nicht. Das einzige was sie wissen, ist wie sie mit ihrem Arsch an die Wand kommen. Das wussten sie damals schon. In einer menschenunfreundlichen Umgebung hatten sie eine relativ gutes Leben. Vielleicht sollte man ihnen auch eine Zusatzrente zahlen? Schließlich führten sie ja nur Befehle aus? Schließlich waren sie ja auch nur Opfer ihrer Zeit! Ja, ich finde, eine Zusatzrente haben sie sich verdient, auch bei weniger als sechs Monaten Stasimitarbeit…



Quellen zu „Die Stasi-Opferente wird erhöht“
Foto: Paul Golla / pixelio.de

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