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Stasi Haft – Opfer leiden unter Traumafolgen

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Zürich – Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall leiden noch immer viele ehemalige politische Häftlinge der DDR unter den psychischen Langzeitfolgen ihrer Haft. Eine Kohortenstudie in Nervenarzt und Torture bescheinigt jedem dritten Ex-Häftling eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

prison-553836_640Wie das Ärzteblatt weiter berichtet, unterscheiden Historiker drei Phasen: In der Stalin-Ära schreckte die DDR nicht vor physischer Folter zurück. In der Ulbricht-Ära wurden zunehmend psychologische Methoden anwendet, die in der Honecker-Ära dominierten, obwohl den Gefangenen auf gegen Ende der DDR durch Schlafentzug oder Flutlichtexposition körperliche Qualen zugefügt wurden. Bereits in den 90er Jahren konnten Andreas Maercker von der Universität Zürich und Matthias Schützwohl von der TU Dresden 146 ehemalige politische Inhaftierte untersuchen. Die meisten von ihnen hatten damals traumatische Erfahrungen angegeben, die die Folterkriterien von Amnesty International erfüllten. Bei 29 Prozent der Inhaftierten stellten die Autoren damals eine PTBS fest. Viele Exhäftlinge litten außerdem unter sozialen Phobien, auch eine Abhängigkeit von Suchtmitteln war häufiger als in einer Vergleichsgruppe (Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 1997; 32: 435-42) anzutreffen. Im Jahr 2008 konnten die Forscher die Mehrzahl der Betroffenen erneut untersuchen. Die Exhäftlinge waren mittlerweile im Durchschnitt 65 Jahre alt, doch die psychischen Wunden der Haft waren bei vielen nicht verheilt. Bei einem Drittel der Exgefangenen diagnostizierten die Experten eine PTBS. Der Anteil war damit nicht nur höher als 15 Jahre zuvor, sondern es wurde auch deutlich, dass etwa die Hälfte der heutigen PTBS-Patienten 1994 noch keine Anzeichen dieser Störung zeigte. Andere psychische Störungen, unter denen die ehemaligen DDR-Häftlinge litten, nahmen hingegen während der vergangenen 15 Jahre ab. So wurden spezifische Phobien seltener diagnostiziert und auch die Zahl der Alkohol- oder Medikamentenabhängigen ging zurück. Um das Vierfache angestiegen, auf 41 Prozent der Untersuchten, sei dagegen die Zahl der Personen mit akuten Depressionen.

 

Ein spannender Artikel, wie ich finde. Den kompletten Text findest du hier: Ärzteblatt 

 

Als ich im Herbst dieses Jahres wegen meines Antrages auf Haftentschädigung zum Gutachter bestellt wurde, kam etwas ganz anderes heraus. Frau Dr. Ebbinghaus in Würzburg, die Koryphäe auf dem Gebiet der Begutachtung von Haftfolgeschäden testierte mir kein PTBS infolge der Inhaftierung, weil mein Leben nach der Übersiedlung (Frau Doktor wörtlich) „keinen Bruch“ hatte. 

Manchmal zweifelt man an sich selbst infolge solcher Äußerungen und deshalb bin ich froh, dass es oben zitierte Veröffentlichung gibt. Tief in mir weiß ich, wem ich meine Depressionen zu verdanken habe. Es vergeht kein Tag, an dem mich nicht meine DDR-Vergangenheit einholt. Die Gutachterin meinte, meine Trennung sei Schuld an meiner Depression, weil es zeitlich eben gut zusammen passte. In Wahrheit aber, hat sie hier Ursache und Wirkung verwechselt. Denn an meine Exfrau denke ich eigentlich kaum noch. An meine Zeit in Halle jeden Tag. Überhaupt war ich ziemlich enttäuscht vom gesamten Begutachtungsvorgang. Ich fuhr dort hin in der Gewissheit, eine verständnissvolle Person vorzufinden, die mit der gebotenen Sensibilität ihre Fragen stellen wird. Schließlich war es doch Frau Dr. Ebbinghaus, die einen Leitfaden zur Begutachtung von Haftfolgeschäden in der DDR verfasst hatte und sogar bundesweit Vorträge hierüber hielt. Als ich ihr jedoch gegenüber saß, ihr Schreibtisch zwischen uns, wusste ich, den Leitfaden konnte sie nicht selbst geschrieben haben, sonst hätte sie nicht eine solche Verhörsituation nachgestellt. Auch baute sie relativ schnell Druck auf, so dass ich die Begutachtung abbrechen wollte. In ihrem Gutachten hatte sie den Vorfall jedoch nicht erwähnt. Sie ließ mich die gesamte Zeit spüren, dass ich mir zu Unrecht eine Leistung erschleichen wollte. Das war eine ziemlich schlecht auszuhaltende Situation für mich.

Ich glaube heute, dass diese Gutachter angewiesen sind, eventuell Anspruchsberechtigte erst einmal abzuschmettern. Schließlich würde ja so eine Opferrente jeden Monat den Staat ganze 127 € kosten und das kann sich Deutschland nun wirklich nicht leisten. Dann reicht das Geld womöglich nicht mehr, den ehemaligen Stasitätern ihre ihnen zustehende Pension zu zahlen. Und das wollen wir doch alle nicht, oder?

Quellen zu „Stasi Haft – Opfer leiden unter Traumafolgen“
Foto: pixabay.com

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