Die DDR und die Stasi – Mein Stück deutsche Geschichte
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Stasi-Opfer brauchen Traumatherapie

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man-69283_640Depressionen und Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) gehören mittlerweile zum allgemeinen Wortschatz. Es sind keine Fremdworte mehr. Mit Depressionen können spätestens nach dem Freitod unseres ehemaligen Nationaltorwarts Robert Enke die meisten etwas anfangen. Und nach den bekannt gewordenen Fällen von PTBS der Bundeswehrsoldaten im Afganistaneinsatz, ist auch das Wort Trauma kein Fremdwort mehr. Das Wort Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet allgemein Verletzung. Es wird im medizinischen Sinn auch für körperliche Verletzungen verwand. Wir kennen zum Beispiel die Bezeichnung „Schädel-Hirn-Trauma“.  Wenn die Seele massiv verletzt wurde spricht man ebenfalls von einem Trauma oder auch von einem Psychotrauma. Solche Traumata können entstehen, wenn Menschen beispielsweise Opfer von Naturkatastrophen, Geiselnahme, Folter, Vergewaltigung oder von Unfällen mit schweren Verletzungen wurden. Mitunter entstehen Traumata aber auch schon, wenn man nicht direkt betroffen, sondern nur Zeuge eines solchen Ereignisses, wie zum Beispiel eines schweren Verkehrsunfalls oder eines Mordes wurde. Diese Ereignisse können einen Menschen extremem Stress aussetzen und Gefühle der Hilflosigkeit oder argen Entsetzens erzeugen. Schafft der Betroffene es nicht, das Erlebte in angemessener Zeit zu verarbeiten und zu integrieren, können schwerwiegende seelische Schäden die Folge sein.

Inzwischen gibt es auch tatsächlich Psychologen, die sich auf die Behandlung von Terroropfern und Soldaten spezialisiert haben. Das finde ich gut und richtig. Was ich aber bedaure, ja was mich sogar zornig macht, ist dass für die stillen Opfer niemand sorgen will. Was ist mit den tausenden Opfern von Misshandlung und Vergewaltigung und was ist mit den tausenden Opfern der DDR-Diktatur? Sie alle leiden bis heute unter den Folgen einstiger Verbrechen. Sie alle leiden still, nehmen vielleicht ein paar Psychopillen zur Beruhigung. Aber haben nicht auch sie eine erstklassige Behandlung verdient? Sollte es nicht auch für sie Spezialisten geben, die Hintergründe und Einzelheiten kennen? Ich bin seit langem auf der Suche nach solch einer Therapie. Es gibt aber nicht einmal genügend normale Psychotherapeuten, geschweige den Traumatherapeuten. Und die wenigen Traumaspezialisten, die es gibt, die haben meist keine Ahnung davon, was sich hinter den Kulissen des eisernen Vorhanges einst abspielte.

Ich weiß nicht, wie meine Leidensgenossen von damals mit ihrer Situation heute zurecht kommen. Ich schreibe mir hier von der Seele, was in mir an Gedanken und Gefühlen (hier wird es schon schwierig) herum spukt. Ich mache hier so eine Art Eigentherapie. Aber ich bin kein Fachmann und ob das alles wirklich etwas nützt, das Erlebte zu überwinden, bleibt fraglich.

Falls jemand von Euch schon gute Erfahrungen mit einer Traumatherapie gemacht hat oder davon weiß, dass jemand erfolgreich behandelt wurde, bitte ich Euch um eine Kontaktaufnahme zu mir. Aber ehrlich gesagt, habe ich da nicht viel Hoffnung. Warum ich das dennoch hier schreibe? Mir ist im Laufe der Jahre klar geworden, dass ich selbst etwas tun muss, um die Opferrolle verlassen zu können.

Und wenn es auch nur eine gering Restchance gibt, will ich versuchen, sie zu nutzen. Wenn ich mich nicht selbst bewege, bleibe ich ewig gefangen in meinen Erinnerungen. Und diesen Erfolg will ich den Stasiverbrechern einfach nicht gönnen! Ich sehe, wie sie mich angrinsen und mich verhöhnen. Ich sehe, wie gut es ihnen heute geht und das ist nur sehr schwer für mich auszuhalten.

 

Quellen zu „Stasi-Opfer brauchen Traumatherapie“
Foto: pixabay.com

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