Die DDR und die Stasi – Mein Stück deutsche Geschichte
Eine Seite gegen das Vergessen, Verniedlichen und die Ignoranz

Wer war die Stasi?

Geheimdienst und Geheimpolizei

Bei dem Begriff „Stasi“ handelte es sich nicht um eine offizielle Bezeichnung. Er war eher eine im Sprachgebrauch der Bevölkerung übliche Abkürzung. Oftmals war auch von der „Firma“ die Rede oder von „Horch und Guck“. Stasi stand für Staatssicherheit und war eine gebräuchliche Abkürzung für die offizielle Bezeichnung „Ministerium für Staatssicherheit“, kurz MfS. Das MfS wurde formell im Jahre 1950 ins Leben gerufen, ein Jahr nach Gründung der DDR. Es ist aber davon auszugehen das parteipolizeiliche Strukturen nach russischem Vorbild schon vorher bestanden. Die Stasi hatte im wesentlichen zwei Aufgaben zu erfüllen. Sie war Geheimdienst und Geheimpolizei zugleich. Noch heute versuchen ehemalige Mitarbeiter ihre Arbeit bei der Stasi zu relativieren. Es gebe doch in jedem Land mindestens einen Geheimdienst, heißt es, und daran wäre doch nichts ungewöhnlich oder unmoralisch gewesen. Aber so einfach ist das nicht. Unter der Verantwortung des Staatssicherheitsdienstes der DDR wurden Verbrechen verübt, wurden nachweislich massenweise Menschen verfolgt, gedemütigt, seelisch zerstört und sogar getötet. Die Stasi war ein mächtiger und gefürchteter Apparat. Er galt dem Erhalt der Staatsmacht und der Unterdrückung der Bürger.

Operativer Vorgang

Als Geheimdienst operierte die Stasi unsichtbar. Die Mitarbeiter wurden sorgfältig ausgewählt und teils in eigenen Hochschulen gründlich auf ihren Einsatz im In- und Ausland vorbereitet. Als Geheimpolizei hatte die Stasi zudem auch eine einschüchternde Wirkung. Hier zeigte sie sich gern auch einmal klischeehaft in Lodenmantel oder Lederjacke ganz „unauffällig“. Wenn du bemerktest, dass sie dich beschatteten, dann wollten sie, dass du es bemerkst und vor allem wollten sie, dass die Menschen in deinem Umfeld es bemerken. Das war quasi dein Brandmal. Von der Stasi beschattet zu werden, war eine massive Drohung und veranlasste Bekannte, Freunde und Nachbarn, sich von dir fern zu halten. Kontakt zu einem „Staatsfeind“ zu haben, zeichnete dich schnell als Sympatisanten  aus und machte auch dich sofort zu einem Objekt der Beobachtung. „Operativer Vorgang“ hieß so eine Beobachtung im Sprachgebrauch der Behörde. Wenn die Stasi ermittelte, wurde zu jedem Operativen Vorgang eine Akte angelegt. Die Akten hatten Decknamen. Meine Akte zum Beispiel trug die Bezeichnung „OV Schreiber“, wobei OV die übliche Abkürzung für Operativer Vorgang war. Nach dem Zerfall der DDR-Diktatur wurden die Stasiarchive geöffnet und Wissenschaftlern und Betroffenen erlaubt, Akteneinsicht vorzunehmen. Große Teile der Aktenbestände wurden in den letzten Tagen der DDR jedoch leider vernichtet, so dass sich das Bild heute nicht mehr so lückenlos zeichnen lässt, wie es einst angelegt war. Dennoch ist das Ausmaß an sichergestellten Unterlagen beträchtlich. 111 km Stasiakten sind verblieben. Sie werden heute von der BStU, der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes verwaltet und sind an dreizehn verschiedenen Standorten in Deutschland archiviert.

Totale Überwachung

Als Geheimdienst und Geheimpolizei konnte die Stasi quasi in einem rechtsfreien Raum operieren und hatte deshalb mehr Möglichkeiten als die Organe des Mdi (Ministerium des Innern). Und sie nutzte ihr Potenzial. Es gab keinerlei parlamentarische Kontrollmechanismen. Wie jedes Ministerium der DDR unterstand auch die Stasi einzig der Staatspartei, der SED. Die SED gab die Richtung vor, besetzte alle Schlüsselpositionen und kontrollierte die Umsetzung der Direktiven. Es war ein ausgeklügeltes Netzwerk von Information, Desinformation, Denunziation und Bespitzelung, das insbesondere auch vor den eigenen Reihen nicht Halt machte. Jeder dem Verantwortung übertragen wurde, wurde überwacht und zudem jeder, der sich verdächtig verhielt. Das MfS sollte Schild und Schwert der Partei sein, so hieß es. Seine Aufgabe war es, Abweichler aufzuspüren, möglichst bevor es zu demonstrativen Handlungen kommen konnte. Um das Interesse der Stasi zu wecken, musste man also nicht unbedingt etwas aktiv tun. Es genügte, wenn man bestimmte Handlungen unterließ, die von einem guten DDR-Bürger einfach erwartet wurden. So konnte man beispielsweise auffällig werden, wenn man am 1. Mai nicht an der staatlich organisierten Demonstration teilnahm, die in jedem Ort stattfand oder nicht zur Wahl zu ging, öffentlich Westradio hörte, lange Haare zu trug, sich nicht der „Jugendweihe“ unterzog. nicht Mitglied der FDJ wurde, den Dienst an der Waffe verweigerte oder oder oder…

System der Angst

Um die 17 Millionen Menschen im Land lückenlos kontrollieren zu können, betrieb die Stasi einen mächtigen Apparat. Bis zum Ende der Stasi-Ära waren das etwa 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter. Hinzu kamen etwa 189.000 inoffizielle Mitarbeiter, kurz IM, die ebenfalls verdeckt arbeiteten. IM’s  waren ganz gewöhnliche Bürger aus allen Bereichen des Lebens, von der Verkäuferin über den Lehrer bis hin zu Soldaten, Polizisten, Ärzten und Rechtsanwälten. Selbst Häftlinge wurden von Häftlingen ausspioniert. Spitzel und Zuträger gab es in jedem Ort, in jedem Betrieb, in jeder Bildungseinrichtung, in jedem Verein, in jeder Kirchengemeinde, in jedem Viertel. Jeder konnte ein Stasiinformant sein. Das sah man den Menschen nicht an. Sie verfassten regelmäßig Berichte an ihre Führungsoffiziere über Kollegen, Nachbarn, Kameraden, Mitschüler, Freunde, Familienangehörige. Dabei traten die Informanten namentlich nicht in Erscheinung. Auch IM’S hatten Decknamen. Einer sollte vom anderen nicht wissen, was er wusste. Die Stasi verschaffte sich illegal Zutritt zu Wohnungen oder anderen Räumen, durchsuchte und dokumentierte alles akribisch. Sie hörte ab, verletzte das Postgeheimnis und machte auch vor der intimsten Privatsphäre nicht Halt. Sie verhaftete, verhörte und folterte. Die Stasi war ein Meister der Zersetzung. Sie unterhielt ein ausgeklügeltes System der Kontrolle und Selbstkontrolle, ein System der Angst. In den Jahren seines Wirkens brachte es der Apparat insgesamt auf etwa 250.000 Stasihäftlinge. 34.000 von ihnen wurden als politische Häftlinge freigekauft. Einer von ihnen war ich, der Häftling mit der Nummer 169/88.

Quellen zu „Wer war die Stasi“
BStU, Wikipedia, Foto: Martin Berk  / pixelio.de